Wir schreiben das Jahr 1500.
Damals lebte in Rodenberg die sehr angesehene Bürgerfamilie von Loh.

Eine Tochter, Ilse von Loh, gebar dem hoch wohl geborenen Grafen Anton von Schaumburg einen Sohn, ein Bastard, denn dieses Kind war aus einer nicht ehelichen Verbindung entstanden.

Der Knabe wurde in unserer Grover Kirche, auf den Namen Johann getauft. Einen Grafentitel erhielt er allerdings nicht, doch der Name "von Schaumburg" wurde ihm zuerkannt. Das war schon viel in der damaligen Zeit. Bedeutete es doch, dass der hoch wohl geborene Graf den Bastard als "von seinem Blute" anerkannte.

Johann von Schaumburg erhielt eine geistliche Ausbildung und wurde um 1530 zum Probst des Archidiakonats Apelern eingesetzt. In der heutigen Zeit ist das vergleichbar mit der Superintendentur eines Kirchenkreises. Doch es hielt ihn nur kurze Zeit im Pfarrhaus in Apelern. Er zog nach Rodenberg in das geerbte Haus der Familie von Loh. Kurioserweise handelte es sich hierbei um das vor kurzem abgerissene Haus in der Langen Straße, Nummer 46.

Johann von Schaumburg lebte recht stattlich und herrschaftlich und wurde allgemein der Probst von Rodenberg genannt. Er war ein sehr geselliger Mensch und der hiesigen Damenwelt gegenüber recht aufgeschlossen, ein Wesenszug den er offensichtlich von seinem gräflichen Vater vererbt bekam. Dass die damalige Bevölkerung ihn heimlich als "Hallodri" bezeichnete, lag also nicht ganz so fern. Darum blieb es auch nicht aus, dass etliche uneheliche Nachkommen aus seinen vielen Vergnügungen entstanden.

Johann setzte in den Pfarreien seines Kirchenkreises nur schlecht ausgebildete Vicepeplanen ein. Heute würde man es mit "Hilfspfarrer" übersetzen, der Volksmund nannte sie damals etwas abfällig "Heuerpapen".
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Johann von Schaumburg zwang sie die Hälfte ihres Gehaltes an ihn abzutreten. Mit diesem Geld finanzierte er seine fälligen Unterhaltszahlungen und seine häufigen Zechgelage.

Ein derartig "geistlicher Führungsstil" und unseriöser Lebenswandel ihres Probstes zu Rodenberg stieß bei dem Kirchenvolk natürlich auf wenig Anerkennung. Als älterer und gereifter Herr erließ er darum kurz vor seinem Ableben die Anordnung, einen Taufstein für die Grover Kirche anfertigen zu lassen.

Dieser Taufstein ist auch heute noch in unserer Kirche zu bewundern. Er hat eine Höhe von 92 cm und ist kunsthistorisch mit seiner eher schlichten Form der Frührenaissance zuzuordnen.


Er erhielt die Inschrift:
"MAR : IO. CHRISTVS SPRICHT MIT HERZLICHER BEGIER - BRINGT DIE KINDER HER ZU MIR - WERET IHN' NICHT DAS HIMMELREICH - IST IHN' G'REICHT DVRCH DIE TAVF ZVGLEICH. JOHAN VAN SCHOMBORCH 1578.

Ob Johann von Schaumburg bewusst diesen Bibelvers aus Markus, Kapitel 10, Vers 14 gewählt hat, oder einfach nur seiner großen Kinderliebe Ausdruck verleihen wollte, entzieht sich meiner Kenntnis.

Er verstarb im Jahre 1579 für damalige Verhältnisse als uralter Mann und fand in unserer Kirche in einer Gruft unter dem Chor seine letzte Ruhestätte.
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