Am 12. März fand die 4. Kirchenkreissynode in der St. Jacobi Kirche statt.
Zwei große Themenschwerpunkte standen auf der Agenda.
Zum einen ging es um nachhaltiges Wirtschaften, dazu gab es einen Impulsvortrag von Marius Rommel mit anschließender Podiumsdiskussion. Auf dem Podium waren Vertreter aus dem Handwerk, aus dem Ausschuss für Klimaschutz und eine Vertreterin der Bauern. Im Impulsvortrag wurde aufgezeigt, dass es um mehr geht als nur die Überlegung, welche Gebäude der Kirchenkreis noch braucht und wie man diese klimafreundlich sanieren kann. Der Fokus der öffentlichen Diskussionen liegt zurzeit sehr einseitig auf dem Klimaschutz. Andere Probleme wie das Artensterben, das unkon-trollierte Ausbringen von Mikroplastik, die Verwendung von Gentechnik und die Ansammlung von Düngemitteln und Ewigkeitschemikalien in den Weltmeeren sind aber für das Überleben der Menschheit wesentlich gravierender. Der Mensch lebt nach Rommel heute wie ein Parasit auf der Erde. Wenn die Menschheit überleben will, müssen wir aber zu einer Symbiose mit unserem derzeitigen Ökosystem kommen. Dieses ist nach der letzten Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren entstanden und wurde vom Menschen maßgeblich mitgeprägt. Dieses Ökosystem gilt es zu schützen und zu erhalten.
Und hier kommen wir zu einer zentralen Aufgabe der Kirche. Nur wenn es uns gelingt uns zu vernetzen, Beziehungen zu knüpfen und zusammenzuarbeiten, können wir diese Herausforderungen bewältigen. Leider verkümmern diese Fähigkeiten, besonders bei jungen Menschen, durch die unkontrollierte Nutzung von neuen Medien, die zu einer Beziehungsunfähigkeit führen können, die unsere arbeitsteilig organisierte Gesellschaft gefährdet.
Wer nicht mit den Augen eines anderen sehen, mit den Ohren eines anderen hören und mit dem Herzen eines anderen fühlen kann, ist nicht fähig seinen Nächsten zu lieben. Zur Nächstenliebe gehört aber auch immer die Selbstliebe oder, modern ausgedrückt, die Fähigkeit, den Wert der eigenen Persönlichkeit zu erkennen. Nur wer das kann, wird sich nicht kritiklos „wichtigen“ oder „mächtigen“ Personen anschließen, sondern eigene Entscheidungen zum Wohl aller treffen. Wer in sich selbst ruht, muss sich nicht mit ständigem Konsum befriedigen und kann im Einklang mit sich, seinen Mitmenschen und der Umwelt leben. Dies ist eine zentrale Aufgabe, vor der wir stehen.
Kirche muss in vielerlei Hinsicht umdenken, wie Rommel ein bisschen provokant formulierte. Eine Kirche der Zukunft muss unternehmerischer denken.
Anstatt sich zu fragen, was machen wir mit unseren nicht ausgelasteten Liegenschaften in punkto Nachhaltigkeit, muss sie andersherum fragen: Wie kann die Kirche wieder zu einem relevanten und gefragten Akteur werden, der sich so aktiv um Nachhaltigkeitsthemen bemüht, dass die Infrastruktur wieder einen sinnvollen und von der Gesellschaft gebrauchten Inhalt bekommt. Das Kapital, das für die Sanierung der Liegenschaften gebraucht wird, kann dann durch eine erhöhte Auslastung erwirtschaftet werden.
Im zweiten Teil der Synode wurde die Aufnahme eines Prozesses zur Erarbeitung einer Entscheidungsgrundlage über eine mögliche Zusammenlegung des Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg mit den Kirchenkreisen Neustadt-Wunstorf, Nienburg und Stolzenau-Loccum nach lebhafter Diskussion beschlossen.
In der Diskussion wurden von den Delegierten sowohl Vorteile als auch Bedenken zur Fusion geäußert. Große Einigkeit herrschte bei dem Wunsch nach stärkerer Prozessbeteiligung und besserer Kommunikation. In einigen Beiträgen wurde auch der zu eng erscheinende Zeitkorridor zur Entscheidungsfindung kritisiert. Denn auf der Synode im November 2026 soll schon die generelle Entscheidung zur Fusion getroffen werden, damit diese dann zum 1.1.2028 vollzogen werden könnte. Superintendent Christian Schefe verteidigte den Zeitplan, da 2028 auch ein neuer Planungszeitraum der Landeskirche Hannovers beginnt, auf den die fusionierten Kirchenkreise besser reagieren könnten. Er und auch Kirchenamtsleiter Sven Heindorf betonten aber, dass der Zeitplan jederzeit auch nach hinten verschoben werden könnte, wenn der Erarbeitungs- und Diskussionsprozess dies erfordern würde. Sehr erfreulich war die intensive Beteiligung von Delegierten der Evangelischen Jugend, die bei einer generellen Offenheit gegenüber Veränderungen ihre Anfragen und Bedenken mitteilten. Schefe versprach den Jugendlichen, mit ihnen im Austausch zu bleiben.
Letztlich wurde mit 28 Ja-Stimmen, 5 Gegenstimmen und 7 Enthaltungen beschlossen, den Prozess zur Fusion zu starten.
Zuvor hatten die Kirchenkreise Nienburg einstimmig und Neustadt-Wunstorf (mit 7 Enthaltungen) dem Prozess zu einer etwaigen Fusion zugestimmt. Der Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg wird in seiner Synode im Juni die geplante Fusion ausführlich behandeln. Dort sollen dann schon erste Ergebnisse aus dem Erarbeitungsprozess vorgestellt werden.
Quelle: Lutz Müller und Petra Flamme-Müller