Schritte in Richtung Fusion

Nachricht 21. Juni 2026

Die Synode des Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg hat in ihrer Sitzung im Juni über weitere Schritte in Richtung einer möglichen Fusion der Kirchenkreise Grafschaft Schaumburg, Neustadt-Wunstorf, Nienburg und Stolzenau-Loccum diskutiert.

Superintendent Christian Schefe hob hervor, dass er in einer Zusammenlegung der vier Kirchenkreise die Chance sehe, bei abnehmender Finanzkraft und Mitgliederstärke als Kirche zukunftsfähig zu bleiben. Durch schlankere Strukturen hätten haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende mehr Zeit für das, was Kirche eigentlich ausmache: zum Glauben und zu Gottvertrauen einladen, Nächstenliebe praktisch umsetzen, sich für die Bewahrung der Schöpfung engagieren und die Seele der Menschen, z.B. bei Taufen, Trauungen, Beerdigungen und in Gottesdiensten stärken. Gleichzeitig verschwieg Schefe aber auch nicht, dass die Fusion „auch etwas koste“. So würden in einer zukünftigen Synode der vier Kirchenkreise nicht mehr alle Kirchengemeinden vertreten sein können. Auch müssten sehr viel längere Anfahrtswege z.B. für die Mitarbeitervertretung (MAV) in Kauf genommen werden. Der Superintendent stellte dar, dass seit April verschiedene Arbeitsgruppen die mögliche Fusion vorbereiten und in einem Newsletter regelmäßig Ergebnisse mitgeteilt würden. Zudem gebe es im September noch zwei Info-Abende für die Synodenmitglieder, bevor dann in der Novembersynode über die Fusion abgestimmt werde. Dieser Beschluss müsste dann vom Landeskirchenamt in Hannover bestätigt werden, denn nur dieses könne letztlich über eine Fusion entscheiden.

Kirchenamtsleiter Sven Heindorf äußerte, dass das Landeskirchenamt solche Mehrheitsentscheidungen in der Regel nicht ablehne. So räumte er auch Bedenken eines Synodalen aus, der sich fragte, ob dann alle Fusionsanstrengungen am Ende durch ein Veto aus Hannover vergebens sein könnten. Zudem versprach er, dass im November aktuelle Zahlen vorliegen würden, damit jeder Kirchenkreis wisse, worauf er sich bei der Fusion in finanzieller Hinsicht einlasse.

Ulrike Busch hob als Vorsitzende der Mitarbeitervertretung des Kirchenkreises in ihrem Bericht hervor, dass nach einer Fusion ca. 1500 Mitarbeitende zu betreuen seien. Da nach aktuellem kirchlichen Recht einem Kirchenkreis auch nur eine Mitarbeitervertretung zustünde, würden sich statt jetzt 32 nur noch 13 Vertreter*innen um die Belange der Angestellten in Kitas, diakonischen Einrichtungen, Pfarrbüros und Küsterei kümmern können. Zudem sieht Busch ein Problem in den langen Anfahrtswegen zu Vorstellungs- und Beratungsgesprächen, die bis zu 1,5h Fahrtzeiten (eine Tour) bedeuten könnten. Die MAV lässt ich hinsichtlich der möglichen Fusion durch eine Anwaltskanzlei beraten.

Durchaus kritisch sah auch Jule Sareyka den Fusionsplänen entgegen, da es nach Kirchenrecht nur ein Diakonisches Werk in einem Kirchenkreis geben könne. Zudem sind die jetzigen vier Werke in unterschiedlicher Trägerschaft (Kirchenkreise bzw. Diakonisches Werk Hannover-Land). Für Sareyka gebe es zum einen Vorteile wie professionellere Verwaltungsstrukturen, bessere Finanzierungsmöglichkeiten und eine stärkere fachliche Vernetzung, zum anderen aber auch Risiken: Verlust der regionalen Eigenständigkeit mit enger Bindung an Bevölkerung und Kirche vor Ort, längere Wege zu Beratungsangeboten, Verlust der starken Vernetzung und sehr guten Zusammenarbeit des Werke im Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg mit dem Landkreis Schaumburg sowie Einbruch von Spenden bei fehlender lokaler Identifikation. Da das Kirchenrecht außerdem pro Kirchenkreis nur eine/n Sozialarbeiter*in vorsieht, wäre die Finanzierung der anderen drei Stellen bei einer Fusion bisher nicht abgedeckt. Sven Heindorf entgegnete diesen Bedenken, dass die Landeskirche diesbezüglich und auch in Hinblick auf die MAVs bisherige rechtliche Grundlagen überdenken müsse, da es eine Fusion von vier Kirchenkreisen bisher noch nicht gab. Man sei mit dem Landeskirchenamt auf jeden Fall im Gespräch.

Aus den mit Vertreter*innen aus allen vier Kirchenkreisen besetzten Arbeitsgruppen berichteten Pastor Sebastian Sievers für den Stellenplanungs- und Finanzausschuss, Pastor Matthias Voigt für den Ausschuss der Kirchenkreisvorstände und Lutz Müller für die Vorsitzenden der Synoden. Eine viel Verwaltungsaufwand sparende einheitliche Finanzsatzung sei nach ihren Aussagen ebenso umsetzbar wie nur noch ein Kirchenkreisvorstand und eine Synode als Entscheidungsgremien. An vielen Stellen könnte so Zeit und auch Personalkraft gespart werden, da oft sehr ähnliche Entscheidungen besprochen und entschieden würden.

Am Ende einer 3,5-stündigen Synodensitzung waren die Delegieren trotz hervorragender Bewirtung durch die gastgebende Kirchengemeinde in Fischbeck nicht nur von der Hitze, sondern auch von den vielen zu bedenkenden Informationen erschöpft.
In den Schlussworten drückte ein Delegierter seinen Respekt aus „für die Ernsthaftigkeit und Tiefe mit der bisher an der Umsetzung einer möglichen Fusion an so vielen Stellen gearbeitet wurde“. Er sei „beeindruckt, wie weitgehend die Entscheidungen seien und wie um Lösungen konstruktiv gerungen werde“.
Eine andere Delegierte drückte ihre Sehnsucht aus, endlich wieder mehr über die Arbeit mit den Menschen nachdenken zu wollen, die uns in den Gemeinden anvertraut sind, „denn Kirche ist nicht nur Verwaltung“.
Ein weiterer Delegierter sagte, dass ihm erst jetzt bewusst geworden sei, wie umfangreich der Prozess sei, und er bedankte sich bei allen, die diesen notwendigen Prozess kompetent anleiten würden. Allerdings sehe er den Novembertermin für die Entscheidung kritisch. Im Zweifelsfall soll man sich lieber etwas mehr Zeit für weitere Beratungen einräumen.

Bis zur Synode im November sind noch viele Fragen zu klären. Ob dann alle Delegierten von dem Schritt in eine Fusion überzeugt sind, wird sich zeigen.

Quelle: Lutz Müller

https://www.kirchenkreis-grafschaft-schaumburg.de/kirchenkreis/kirchenkreistag